Bienenfreund – Honig aus der Ulmer Oststadt
Chris und Lena sind das handwerklich kreativste Couple im Ulmer Freundeskreis, würde ich behaupten. Chris ist Biologe und arbeitet gerne mit Holz, Lena ist Designerin und töpfert unter anderem nebenbei. Die große Leidenschaft der beiden ist allerdings ihr schöner Garten in der Ulmer Oststadt. Seit über drei Jahren haben die beiden hier Bienenvölker und stellen unter dem Namen “Bienenfreund” selbst Honig her.
Chris und Lena in ihrem Garten in der Ulmer Oststadt
Wie oft seid ihr im Garten?
Lena: Gerade täglich. Wir sind jeden Tag bei unseren Bienen und schauen, ob alles okay ist. Den Honig schleudern wir 2 x im Jahr - Frühlingshonig Ende Mai, Sommerhonig Ende Juli.
Wie schmeckt euer Honig?
Chris: Auf jeden Fall jedes Jahr anders. Je nachdem, aus welchen Blüten er entsteht und das ist abhängig vom Wetter. Wir haben hier in der Umgebung viel Kastanie, Linde und Robinie. So eine Honigbiene kann schon 3-5 km weit fliegen – da wären z.B. der Alte Friedhof und die Friedrichsau noch eingeschlossen.
Wie kamt ihr zum Imkern?
Lena: Ich hatte schon in der Kindheit den großen Wunsch, mit Tieren zu leben. Bienen haben mich schon immer fasziniert. Irgendwann habe ich dann zu Chris gesagt: „Ich geh‘ jetzt in einen Imkerkurs.“ 4 Wochen danach hatten wir die ersten Bienenvölker.
Wie transportiert man die Bienenvölker?
Chris: Bienen transportiert man am besten abends und frühmorgens in ihrer Holzbeute. Man verschließt dafür das Flugloch und öffnet es erst wieder am neuen Standort. Dort legt man dann Ästchen vor das Flugloch, damit sie sich beim Verlassen der Beute erstmal orientieren müssen und den neuen Standort kennenlernen. Dann gibt man ihnen ein bisschen Zeit und beginnt regelmäßige Durchsichten des Volkes. Wichtig ist, dass der Bienenkönigin nichts passiert. Stirbt die Bienenkönigin, kann das ganze Volk sterben.
Warum ist das so?
Lena: Nur die Bienenkönigin kann Eier für Arbeiterinnen legen. Sie lässt sich dafür auf einem einzigen Flug begatten und legt davon ihr ganzes Leben lang Eier. Wenn eine neue Königin herangezogen wird, gleicht das Ei zu Beginn dem einer Arbeiterin, allein die Fütterung, das sogenannte „Gelee Royal“, trägt zu ihrer Entwicklung bei.
Wie kann man die Königin erkennen?
Lena: Sie ist länger als die Arbeiterinnen und nicht so gemustert. Wir markieren die Königinnen auch mit einem kleinen farbigen Punkt, damit wir sie schneller wiederfinden und das Volk beim Durchschauen so kurz wie möglich offen ist.
Wie viele Bienen sind denn in einem Bienenstock und wie lange lebt eine Biene im Durchschnitt?
Chris: Im Sommer sind ca. 30.000 bis 40.000 Bienen in einem Stock. Diese hohe Anzahl benötigt man für die Masse an Honig. Man sagt, 1 Biene produziert 1 Teelöffel Honig in ihrer Lebenszeit. Das muss man sich mal vor Augen halten. Eine Biene lebt im Sommer durchschnittlich nur einen Monat.
Was unterscheidet den Frühlingshonig vom Sommerhonig?
Chris: Der Frühlingshonig kristallisiert oft schneller als der Sommerhonig, weil der Nektar der Frühblüher einen höheren Glucoseanteil hat. Wenn man ihn bei Einsetzen der Kristallisation über mehrere Tage immer wieder sanft rührt, wird er schön cremig und bleibt streichfähig. Der Sommerhonig ist dagegen eher flüssig, dunkler und kräftiger im Aroma. Für solche Sachen und die technischen Dinge bin eher ich zuständig, Lena übernimmt die Arbeit direkt am Bienenstock. Sie ist die Ruhigere von uns, das ist wichtig im Umgang mit den Bienen.
Wie viel Honig produziert ihr pro Jahr und wo kann man ihn kaufen?
Chris: Das Nektarangebot ist jedes Jahr anders, aber im Schnitt produzieren unsere Bienen ca. 200 kg Honig im Jahr. Wir verkaufen ihn bis jetzt ausschließlich direkt. Gerne einfach eine Mail schreiben an bestellung@bienenfreund-ulm.de und dann kann der Honig bei uns im Garten in der Oststadt oder bei uns zu Hause in der Stadtmitte abgeholt werden.
Ihr wohnt eigentlich im Fischerviertel und habt beide Fulltime-Jobs. Ist das nicht anstrengend so nebenher?
Lena: Der Garten ist unser zweites Zuhause. Hier haben wir unsere Bienenstöcke und unsere kleine Werkstatt, treffen uns mit Freunden. Wir haben auch einiges an Gemüse und Obst angepflanzt.
Chris: Wir lieben das Stadtleben in Ulm und für uns ist das hier ein super Ausgleich. Mit dem Honig stellen wir ein 100%iges Naturprodukt her. Das Schönste ist, am Ende sein eigenes Produkt in den Händen zu halten.