Ulmer Zuckerbäcker: Handwerk seit 1832
Bekannt für sein Zuckerbrot, wird der Ulmer Zuckerbäcker in der Herrenkellergasse in sechster Generation von Familie Zaiser geführt. Ich war zu Besuch bei Martin und Denis Zaiser, um über ihre Geschichte zu sprechen.
Ulmer Zuckerbäcker in der Herrenkellergasse
Martin Zaisers Großvater kam in der Nachkriegszeit von Heilbronn nach Ulm. Er hatte Frau und Kind im Kireg verloren und hoffte auf einen Neuanfang in der Donaustadt. Er erfuhr, dass in der Zuckerbäckerei, die von der Familie Pfeffer gegründet uns bis dato geführt wurde, eine Stelle vakant ist. Und so führte ihn sein Weg in die Herrenkellergasse zur Zuckerbäckerei und seiner zukünftigen Frau, mit der er den Betrieb übernahm.
Die Familie lebte im Haus, dort kam auch Martin Zaiser zur Welt. Ich frage ihn, ob es für ihn klar war, dass auch er in den Betrieb einsteigen würde: „Nach meiner „erfolgreichen“ schulischen Laufbahn war schon klar, dass ich die Bäckerei übernehmen sollte (lacht). Aber das Handwerk wurde einem ja quasi in die Wiege gelegt.“
Martin und Denis Zaiser
„Ich sehe es als Privileg, dass so eine Bäckerei im Besitz unserer Familie ist“, sagt sein Sohn Denis. Er wird die Bäckerei einmal übernehmen. Ich war von klein auf immer hier. Meine Eltern haben es mir und meinen Geschwistern freigestellt, ob wir in die Bäckerei einsteigen. Ich könnte mir nicht vorstellen, etwas anderes zu tun. Du stellst ein Naturprodukt von Anfang bis Ende her, das ist schon cool.“
Im Gastraum, dem ehemaligen Wohnzimmer der Ur-Großeltern, hängen einige Bilder, die die Geschichte erzählen. Der Meisterbrief von Wilhelm Pfeffer aus dem Jahr 1930 und das Bild der alten Hausfassade zieren die Wände. „Neulich war ein älterer Herr hier und meinte: „Durch euer „Kindermehl“ bin ich so alt und groß geworden. Wir haben immer schon gerätselt, was es mit dem Kindermehl auf dem Schild auf sich hatte. Jetzt hatten wir die Lösung. Die Familie Pfeffer vertrieb Kindermehl, eine Art Milchpulver für Säuglinge. Solche Begegnungen sind schön und erinnern daran, was für ein Traditionsbetrieb wir sind.“
Ehemalige Hausfassade Ulmer Zuckerbäcker
Das berühmte Ulmer Zuckerbrot ist über die Stadt hinaus bekannt
Heute kann man in der Zuckerbäckerei kein Kindermehl mehr kaufen, dafür frische Backwaren, süße Stückchen und Kuchen. Und natürlich das bekannte Ulmer Zuckerbrot. „Ist euer Zuckerbrot ein Geheimrezept?“ Martin: „Nein, das kann ich dir verraten. Die Zutaten sind Weizenmehl, Milch, Salz, Hefe und Zucker. Außerdem wird der Teig mit Fenchel und Anis gewürzt. Es schmeckt besonders lecker mit Marmelade, aber auch zum Wein.“
Wo? Ulmer Zuckerbäcker, Herrenkellergasse 17, 89073 Ulm